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Bad-Hersfelder Festspiele 2014

 


 

 

 

 

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Ende eines Abenteuers
Ausstellung Chinesischer Kunst beendet

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Süddeutsche Zeitung, 22.03.2013

 

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Kulturgut des Tages:

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DER BEBELPLATZ ( in Berlin)
Vor 80 Jahren: Bücherverbrennung

Das war ein Vorspiel - dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen.
Heinrich Heine (1820)

Endlich, endlich Frühling! In der Mitte Berlins zeigen sich hinter den ewigen Bauzäunen grüne Blätter, Krokusse, Liebespaare, die Sonne, Gläser mit Weizenbier und alles was sonst noch zu einem richtigen Berliner Frühling gehört. Auch auf dem riesigen Bebelplatz, dem ehemaligen Opernplatz, zwitschern die Vögel fröhlich um die Wette.

In der Mitte des Bebelplatzes ist seit 1994 eine gläserne Bodenplatte eingelassen. Man blickt in einen Raum mit leeren, weißen Bücherregalen. „Versunkene Bibliothek" heißt das eindrucksvolle Werk des israelischen Künstlers Micha Ullmann. Es erinnert an ein sehr dunkles Kapitel der deutschen Geschichte - an die Bücherverbrennung durch die Faschisten am 10. Mai 1933 genau an dieser Stelle.
Offiziell federführend für diese Greultat war die „Deutsche Studentenschaft" die führend bei der Verbreitung von faschistischem Gedankengut an den deutschen Universitäten war.

Die Bücherverbrennung stand am Ende einer von ihnen initiierten „Aktion wider den undeutschen Geist" unter dem Motto: Der Staat ist erobert. Die Hochschule noch nicht! Die geistige SA rückt ein". Zu dieser Aktion wurden 12 Thesen mit widerlichem, menschenverachtenden Inhalt veröffentlicht. Meine Tastatur hat sich geweigert auch nur eine von ihnen abzutippen. Gleichzeitig begann eine unbarmherzige Hetzjagd gegen jüdische, kommunistische, sozialdemokratische oder sonstige fortschrittliche und humanistische Studenten, Lehrer und Professoren aller deutschen Universitäten.

Am Ende dieser vierwöchigen Aktion brannten die Bücher - nicht nur auf dem Berliner Opernplatz sondern zeitgleich auch in München, Marburg, Frankfurt/M, Münster, Rostock, Göttingen, Dortmund, Bremen, Nürnberg und Dresden. Die Liste der Bücher, die stellvertretend für ihre Autoren ins Feuer geworfen wurden ist lang, sehr lang. Sie reicht von Bert Brecht über Joachim Ringelnatz, Ernst Bloch, Siegmund Freud, Alfred Döblin, Karl Marx, Rosa Luxemburg, Franz Kafka, Theodor Lessing. Lion Feuchtwanger, Erich Kästner, Egon-Erwin Kisch, Karl Liebknecht, Heinrich Mann, Carl von Ossietzky, Anna Seghers, Arnold und Stefan Zweig bis hin zu Ernest Hemingway, Isaak Babel, Trotzki, Maxis Gorki und, und, und...

 

Berthold Brecht schrieb unmittelbar nach der Bücherverbrennung: Als das Regime befahl, Bücher mit schädlichem Wissen öffentlich zu verbrennen, und allenthalben Ochsen gezwungen wurden, Karren mit Büchern zu den Scheiterhaufen zu ziehen, entdeckte ein verjagter Dichter, einer der besten, die Liste der Verbrannten studierend, entsetzt, dass seine Bücher vergessen waren.

Er eilte zum Schreibtisch zornbeflügelt, und schrieb einen Brief an die Machthaber. Verbrennt mich! schrieb er mit fliegender Feder, verbrennt mich! Tut mir das nicht an! Lasst mich
nicht übrig! Habe ich nicht immer die Wahrheit berichtet in meinen Büchern? Und jetzt werd ich von euch wie ein Lügner behandelt! Ich befehle euch, Verbrennt mich!

Am 10.05.2013 jährt sich die schändliche Bücherverbrennung zum 80. Male. Eine gute Gelegenheit diesen Ort zu besuchen und Blumen zu bringen. Und zu überlegen welches Buch man im
Liegestuhl in der Sonne lesen kann. Man hat es sich doch schon so oft vorgenommen.
In unmittelbarer Nähe des Bebelplatzes befindet sich die Staatsbbliothek (STABI) - nach langer Umbauzeit wieder mit allen Lesesälen eröffnet. Sie ist genau wie der Bebelplatz auf jeden Fall einen Besuch wert, wobei man sich über die Architektur und die Ausmerzung der DDR-Bauanteile trefflich streiten kann - und muss.

Ingeborg Lohse-Geserick
(Berliner Anstoß Mai 2013)